Pink Queen Diaries

Trotz der Tatsache, dass mich WoW momentan extrem anwidert, erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich im Grunde gegen meinen Willen ins Spiel einlogge. Als ich gestern mit meinem Orc-Warrior anfing, einige Quests zu machen, bemerkte ich, wie abstoßend ich das Spiel momentan finde. Es widerte mich an, und ich hasste es. Dann passierte etwas seltsames: Ich quatsche/schrieb ein wenig mit Mogi von FtH (schönen Gruß an dieser Stelle) und urplötzlich machte es wieder Spaß…

Warum logge ich immer wieder ein, obwohl mir das Spiel so gar nichts mehr gibt? Bin ich ein Suchtie? Ist es nur die Gewohnheit? Nach einem anstrengenden Tag im Umzugsstress setze ich mich an den Rechner, logge ein und mache einige Quests, bzw. ein halbes Level – zur Entspannung. Während sich die ältere Generation nach einem anstrengenden Tag aufs Sofa vor den Fernseher haut, um zu entspannen, ist es für unser Gamer eine Entspannung, ein bisschen zu zocken. Wenn man ein Spiel, so wie ich, einige Jahre gespielt hat, gehört es einfach zur eigenen Lebenswelt – selbst wenn man will, kann man einfach nicht von heute auf morgen komplett aufhören.

Aus irgend einem Grund, hat meine Freundin momentan wieder große Freude an ihrer Magierin. Sie bettelt mich täglich an, ihr das Passwort zu geben, und meinen zweiten Account zu reaktivieren, um sie durchgehend mit meinem derben Zwergen-Priest zu heilen. Ist schon ein komisches Gefühl, seiner Freundin wegen WoW zu spielen. Im Grunde ist das doch eine Sache, die man sich immer gewünscht hat – eine Freundin, die auch WoW spielt. Ich meine, normalerweise muss man sich doch immer der eigenen Freundin anpassen und “gemeinsame Interessen” finden, die meistens in einem Tanzkurs enden. Da ich auch letztgenannteres für meine Frau tun würde, obwohl ich bei klassischen Tänzen aussehe, wie ein unbeweglicher Frankenstein, spiele ich auch gerne meinen Priester und heile sie, während ihre Magierin mit 10% Mana drei Mobs pullt, die irgendwie alle auf mich einschlagen, obwohl sie “Schaden” drauf macht.

Ich musste gestern meinen Priester 2-3 durch Strat ziehen, damit er ungefähr das gleiche Level wie die Magierin meiner Freundin hat, um auch gemeinsam questen zu können. Während ich dies mit meinem Warrior tat, wurde ich von x-Leuten angewhispert und in ihre neue Gilde invitet. “Wir spielen auf dem Server Hassenichgesehn und würden Dich gerne bei uns aufnehmen”. Die selbe Offerte wurde auch schon in 20-30 Mails vorgetragen. Ich frage mich immer, was sich die Leute davon versprechen, sich ne Diva wie mich in die Gilde zu holen? Ist es als Dankeschön für meine langjährige Arbeit für die deutsche Community gedacht? Oder will man evtl. die eigene Gilde mit einem “mehr oder weniger bekannten” Individuum aufwerten? Vielleicht ein bisschen von beidem?

Das Ding ist, dass ich mittlerweile davon ausgehe, nicht mehr gildenfähig zu sein. Eine Gilde selbst aufzubauen ist (auch aus Zeitgründen) einfach nichts mehr für mich – wie das Projekt Pink Crusade gezeigt hat. Man kann sich noch so viel Mühe geben und sich noch so sehr reinhängen, am Ende ist man der Dumme. Und zum Abschied gibt es ne Menge Arschtritte. Ich habe den größten Respekt vor Gilden- und Raidleadern, die sich das über einen langen Zeitraum antun. Man opfert seine Zeit, kümmert sich um alles, organisiert das DKP-System und die Homepage und gedankt wird es einem eh nie. Statt dessen wird täglich nur rumgemeckert, sich um jeden kleinen Scheiß gestritten und man muss ständig einen Fragenkatalog beantworten, der mit dem Satz “Warum hast Du das so gemacht?” zu tun hat.

Die einzige Alternative bleibt für mich, einer Gilde als ganz normales Mitglied zu joinen. Aber ob es bei meinem großen Ego möglich ist, “still zu sitzen” und ein ganz normales Mitglied zu sein, ganz ohne Extrawürste? Ich glaube, ein Großteil der Leute, die mich invitet haben, wissen gar nicht, was auf sie zukommt, wenn sie mich in der Gilde hätten. Ich bin einfach niemand, der alles still und leise schluckt und nie seine Meinung sagt. Hinzu kommt, dass man plötzlich als Gilde von allen kritisch beobachtet wird. Ich meine, es ist ja nicht mal möglich, dass ich unerkannt auf einem unbekannten Server twinke, ohne dass die Leute zu Privatdetektiven mutieren. Wenn man Stevinho in der Gilde hat und nicht mal Sartharion mit drei Adds down hat, geht das Geflame ratz fatz los. Außerdem passiert es schnell, dass die Gilde zu “Stevinhos Gilde” mutiert. Ich denke, das war auch ein großes Problem beim pinken Kreuzzug: Ein Großteil aller Gildenmitglieder wurde als hirnlose “Stevinho Fanboys” hingestellt, ohne mal genauer hinzuschauen. Es war ja eh nur meine Gilde und alle Mitglieder austauschbar. Wenn wir irgendwas gelegt haben, hieß es nicht: “Das war aber eine tolle Leistung von den Leuten”, sondern “Stevinhos Gilde hat Boss X auch endlich gelegt, wurde ja auch mal Zeit”. Ich denke, dass es für alle Seiten das Beste ist, dass ich gegangen bin, auch wenn ich einige Leute jetzt schon vermisse. Aber so haben die Leute mal die Chance, unter eigener Flagge etwas aufzubauen und zu leisten, ohne immer in meinem “geflamten Schatten” zu wandern.

Ich bin ma off, Mädels, weiterpacken und so. Einen schönen Wochenstart, bzw. Silvester-Preshow wünsche ich Euch.

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