Die sieg- und abwehrlosen Bremer

Nachdem 18 min stand es heute beim Bundesligaspiel zwischen Gladbach und Bremen 3:0 für Gladbach. Die Torschuss-Statistik war mit drei Torschüssen auf beiden Seiten ausgeglichen, und Werder hatte 70% Ballbesitz. Wenn man das Spiel, so wie ich auf Sky im TV verfolgte, konnte man sich nur verwundert die Augen reiben. Gladbach überquerte genau drei Mal die Mittellinie und machte drei Tore. Dabei entstanden alle drei Tore auf die selbe Art und Weise: Ballverlust Werder zwischen dem Gladbacher-Strafraum und der Mittellinie, langer Pass nach vorne und es liefen 2-3 Gladbacher auf Wiese zu. Lange Rede, kurzer Sinn: Werder spielt 30 min ohne Abwehr. Wenn ich in einer Krise stecke, lasse ich, trotz aller Feldüberlegenheit, meine Abwehr nicht bis zur Mittellinie vorrücken und dort verweilen. Mertesacker und Naldo waren meistens im gegnerischen Strafraum aktiv und versuchten, die Tore zu machen, statt ihren Job zu erledigen.

Wie Ihr Euch vorstellen könnt, bin ich das ein oder andere Mal vor dem Fernseher ausgerastet. Wenn eine Mannschaft so überlegen spielt und dann innerhalb von 15 min drei Tore kassiert, und das einzig und allein mit langen Bällen nach vorne, dann kann einen das als Werder-Fan schon mal in Rage bringen. Werder ist zu diesem Zeitpunkt wieder genau da, wo sie in der letzten Saison waren. All die Sicherheit, die man in der Hinserie im Abwehrbereich hatte, ist wie weggeblasen. Mertesacker wirkt langsam, unbeweglich und tollpatschig, und Naldo möchte lieber Stürmer spielen. Der Ersatzmann für Boenisch, auf der linken Seite der Viererkette, namens Abdennour (tunesischer Nationalspieler) ist mit dem Tempo in der Bundesliga völlig überfordert. Mir persönlich ist nicht klar, warum Werder besonders auswärts nicht defensiver auftritt. Statt sich krampfhaft an die offensive Raute zu klammern, würde ich mir Borowski und Frings vor der Viererkette wünschen, also mit zwei 6ern im Mittelfeld.

Offensiv bleibt auch nur festzustellen, dass Werders spielerischen Fähigkeiten nicht weiter als bis zur Strafraumgrenze reichen. Özil fiel heute nur durch Ballverluste und Fehlpässe auf, mit denen er immerhin zwei Gladbacher Tore einleitete. Pizarro bekam viel zu wenig Bälle und hing größtenteils in der Luft. Wenn von 50 in den Strafraum geschlagenen Flanken eine einzige Pizarro erreicht, frage ich mich, was die im Training machen. Marin schlägt die Ecken 50 m hoch in den Strafraum – da kann sich jede Abwehr der Welt drauf einstellen.

Ansonsten könnte man wieder rumlammentieren und von einem nichtgegebenen Strafstoß nach klarem Foul an Mertesacker in der ersten Halbzeit sprechen. Oder von einem Schieri, der extrem einseitig gepfiffen hat. Aber das bringt einfach niemandem etwas. Werder war heute die bessere Mannschaft, hat aber trotzdem aufgrund der massiven Defensivschwäche verdient verloren – deja vu? Irgendwann muss man doch mal begreifen, dass es einem nichts bringt, 90 min auf ein Tor zu spielen und trotzdem 3-5 Tore durch Konter zu fangen.

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