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In Oklahoma ist eine Frau seit über 20 Jahren polizeilich gesucht worden – weil sie eine 1999 vermeintlich ausgeliehene VHS-Kassette nicht in eine Videothek zurückgebracht haben soll. Das hat sie jetzt eher zufällig erfahren, als sie ihren Namen auf dem Führerschein ändern wollte. (Via)

Sie selbst wusste davon übrigens nichts und geht davon aus, dass ihr damaliger Freund das VHS-Tape unter ihrem Namen ausgeliehen hat. Die Videothek schloss übrigens 2008, aber der Haftbefehl blieb bestehen. Bei den Amis fällt mir immer wieder auf, dass sie ein wenig Probleme in Sachen „Relation“ haben: Sie kannst Dir in nem Supermarkt ne Knarre kaufen und damit im Wald rumballern, aber jemand, der sich eine VHS-Kassette ausleiht und diese nicht zurückbringt, wird per Haftbefehl gesucht? Schon ein wenig schwer nachzuvollziehen, oder?



7 KOMMENTARE

  1. Man kann auch hier in Deutschland einen Haftbefehl wegen einer 20€ Ordnungswidrigkeit bekommen (Blitzerfoto nicht bezahlt, falsch geparkt o.ä.).
    Insgesamt wird der Betrag mit den ganzen Verwaltungsgebühren nochmal etwas höher, die 20€ wären aber Haftbefreiend.

    Wenn man dann gefasst wird hat man die Möglichkeit die 20€ zu bezahlen. Will oder kann man nicht, gehts für 1 Tag in die JVA.
    Bei teureren Ordnungswidrigkeiten auch gern länger (je nachdem wie viele Tagessätze frstgelegt werden).

    Und wenn man nun nach einer Unterschlagung seine Geldstrafe nicht zahlt passiert das selbe.

  2. Dazu kommt ja noch:
    „Laut McBride hatte der Vorfall aber wahrscheinlich Einfluss auf ihr Leben: Sie sagte, dass sie in den vergangenen 20 Jahren mehrmals entlassen worden sei, ohne dass ihr ein Grund dafür genannt wurde. Ihr zufolge ergebe das für sie nun einen Sinn. Bei jeder Überprüfung sei wohl der Vorwurf der Unterschlagung aufgetaucht.“

  3. Eigentlich ist das sehr leicht nachzuvollziehen, wenn man sich klarmacht, dass Haftbefehl nicht Haftbefehl ist! In der Regel verstehen wir unter dem Haftbefehl den leuchtend roten Zettel in der Strafakte, der besagt, dass ein böser Bube bei Sichtung unverzüglich der nächsten Verwahranstalt zuzuführen ist, also den strafrechtlichen Haftbefehl.

    Es gibt aber auch – weit weniger bekannt – die Erzwingungshaft. Prominente Beispiele wären hier die GEZ-Verweigerer, von denen bisweilen berichtet wird. „Sechs Monate Knast wegen nicht bezahlter Demokratieabgabe“ … nein! Die Leute sind keine Straftäter, sondern können jeden Tag rausspazieren, sobald sie das tun, was durch die Haft „erzwungen“ werden soll, nämlich ihre verdammten Rundfunkgebühren zu blechen.

    Die Erzwingungshaft gibt es auch im Zivilrecht bei sogenannten unvertretbaren Handlungen. Wenn ich zu einer Handlung verurteilt werde, die ich nur persönlich vornehmen kann, kann der Gläubiger gegen mich Erzwingungshaft beantragen, so lange, bis ich die Handlung ausführe, maximal 6 Monate. Am häufigsten ist in diesem Bereich die Abgabe der Vermögensauskunft (früher Offenbarungseid, eidesstattliche Versicherung). Wenn mich der Gerichtsvollzieher zur Vermögensauskunft auffordert und ich ihn ignoriere, kann ein Haftbefehl gegen mich ergehen. Wiederum nicht, weil ich eine Straftat begangen hätte, sondern weil die Vermögensauskunft dadurch erzwungen werden soll.

    Wichtig ist auch: Ein solcher Erzwingungshaftbefehl wird nicht vom Staat betrieben, sondern vom Gläubiger. Wenn also der Gläubiger sich das Ding an die Wand hängt, anstatt den Vollzug zu betreiben, passiert gar nichts! Und so ähnlich wird es wohl bei der Dame in den USA gewesen sein. Vielleicht gab es ein Urteil auf Herausgabe der Kassette. Vielleicht ist die Dame danach umgezogen und der Videoverleih hat sie nicht mehr gefunden. Vielleicht wurde dann ein Haftbefehl erlassen, so etwa „die Dame festhalten, bis der Gläubiger die Gelegenheit hatte, sie nach der Kassette zu fragen“.

    Und dann ist das Ding eben in Vergessenheit geraten. Und sei es, weil die Videothek dicht gemacht hat. Ein Kuriosum also, aber so ähnlich hätte das hierzulande auch stattfinden können.

  4. Solange die VHS wieder zurück gespult wurde sehe ich keinen Grund diesem Vorfall weiter nachzugehen.

    Sollte dem nicht so sein, muss die Dame nunmal mit aller möglichen Härte zur Rechenschaft gezogen werden 🙂

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