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Harald Lesch in seinem ersten richtigen Rant auf diesem Kanal: Warum das deutsche Schulsystem uns alle verblödet.

Ganz unrecht hat er sicher nicht. Ich sehe einige Dinge, die er hier ausführt, durchaus genauso…

Danke an Toni für den Link!

31 KOMMENTARE

  1. Erstmal gebe ich dem Herrn Lesch recht.
    Mir schläft auch jedesmal das Gesicht ein wenn ich mitbekomme welche Anforderungen “nur” noch an die Schüler gestellt werden.
    Eigene Erfahrungen aus der Grundschule bei meinem Neffen: erst Druckschrift schreiben wie sie sprechen, jetzt plötzlich Schreibschrift mit Regeln…system overload, komplette Überforderung und Hass auf die Schule schon in Klasse 2. Am liebsten würde ich den Lehrern aufs Dach steigen, wenn die nicht dauernd noch krank wären, aber die können zum Teil wahrscheinlich auch nichts dafür, da muss man dann wohl differenzieren können…

    PS: das Problem, mit dem 8/9er Abi werde ich nie verstehen^^ (selbst 12er Abi)
    Die Sek 2 dient als Vorbereitung zum Studium und das heißt auch selbstständig werden, sprich ein gewisser Druck muss aufgebaut werden. Meine Meinung 🙂

    • Die Sek II ist eigentlich nur die 11. Klasse und dient vor allem dazu den Wissenstands der Schüler anzugleichen, zumindest auf Gesamtschulen. Nebenbei ist das eine Jahr mehr ganz nett, weil man a)nicht sein ganzes Leben auf Schule ausrichten muss und man b)ein weiteres Jahr für die Orientierung hat.

  2. Ich stimme ihm absolut zu. Unsere Schulen sind völlig unterfinanziert und in ihrer Struktur veraltet.
    Ich habe glaube ich schonmal einen Link von Precht zu dem Thema gepostet, aber kann das Video hier nur wärmstens empfehlen. Besonders an die Lehrer hier, aber auch alle, die sich für das Thema interessieren.

  3. Mann kann so vieles spielerisch erkläre, bzw. den Schülern beibringen.
    Mein Mathe-Lehrer aus der 12., wie hat der uns Stochastik beigebracht? Mit Beispielen aus dem Casino-Alltag. War super genial.
    Ich versuche mir ein Beispiel daran zu nehmen und binde, wenn es geht Computerspiele ein.
    Es gäbe so viele Möglichkeiten, aber wie Prof. Lesch schon sagte, das verkürzen von 9 auf 8 Jahre macht vieles kaputt bzw. unmöglich. Leider.

  4. Ich arbeite ja auch an einer Schule und ich denke er hat da in einer ganzen Menge von Dingen Recht, die er im Video erzählt. Wenn das mal nur mehr Menschen begreifen würden…

  5. Es scheint einfach so, dass die 68er den Marsch durch die Institutionen vollendet haben und heute die Kultusminister stellen. Gucken wir uns doch mal die Länder an:

    Baden-Württemberg: CDU (3)
    Bayern: CSU (1)
    Berlin: SPD (13)
    Brandenburg: SPD (12)
    Bremen: SPD (16)
    Hamburg: SPD (15)
    Hessen: CDU (7/8)
    Meck-Pomm: SPD (10/11)
    Niedersachsen: SPD (9)
    NRW: Grüne (14)
    RP: parteilos (10/11)
    Saarland: SPD (6)
    Sachsen: CDU (2)
    Sa-Anhalt: CDU (5)
    Schleswig-Holstein: SPD (7/8)
    Thüringen: Linke (4)

    Die Zahlen dahinter geben das Ranking der Bundesländer im Pisa-Vergleich Mathematik an. Nun ist Pisa sicher nicht das alleinige Qualitätsmerkmal für die schulische Bildung, aber es fällt doch auf, dass unter den ersten 5 Ländern 4 mit CDU/CSU-Bildungsministern sind und ab Platz 9 abwärts ausnahmslos linke Bildungsminister (ein Parteiloser unter SPD-Regierung).

    Ich lese die Statistik jetzt nicht so, dass linke Bildung scheiße wäre. Aber tendentiell entspricht es dem, was der Lesch kritisiert, wenn man linke Bildung mit “Kompetenzen” und rechte Bildung mit “Fähigkeiten” assoziiert.

    Kompetenzen sind zweifellos wichtig. Nur scheint es mir, als würden diese im linken Spektrum etwas überbetont werden.

    Ich selber kann das relativ neutral von außen betrachten. Ich bin seit 22 Jahren aus der Schule raus und habe keine Kinder, werde also in meiner Beobachtung nicht von irgendeiner Nähe beeinflusst.

    Sicher bin ich politisch vorgefärbt. Und vieles, was ich in den letzten Jahren über linke/grüne Bildungspläne gelesen habe, mag auch übertrieben sein, alleine wenn ich an das Stichwort Frühsexualisierung denke. Aber ganz ehrlich: Wenn ich ein Kind hätte und ich stünde vor der Wahl, ob es nach der zweiten Klasse das Einmaleins bis hundert beherrscht oder mir die 60 Facebook-Geschlechter aufzählen kann, dann wäre mir ersteres doch wichtiger!

    • Hast du dieselbe Statistik auch für die Kultusminister der letzten ~zehn Jahre? Denn du glaubst doch nicht ernsthaft das ein neuer Minister sofort (oder auch binnen 2-3 Jahren) wirklich merkliche Veränderungen bewerkstelligt, oder? Die schlimmsten Jahre in NRW die ich Bildungstechnisch je hatte waren z.B. definitiv unter der CDU.

      • Berlin ist unter Sparzwang (wir haben kein Naturwissenschaftliche Ausrüstung mehr bekommen und Papier haben uns entweder Eltern oder Lehrer bezahlt) dank CDU-Regierung die uns knapp die Hälfte der Schulden eingebracht hat.

        Gut, ich habe das Glück gehabt auf ein gutes Gymnasium gegangen zu sein. Von daher ist für mich das Video ziemlich gegenstandslos…

      • Ich habs mal soweit wie möglich rausgesucht. Anno 2006 sah es weitgehend ähnlich aus: CDU/CSU-Länder auf den ersten 4 Plätzen, SPD-Bildungsminister auf 10/11, 12, 13, 16.

        Nochmal: Es geht mir nur um Tendenzen, keine absoluten Abhängigkeiten.

        • Zahlen scheinen eindeutig auszusehen, aber wie so oft ist die Wirklichkeit komplexer, als es der erste Blick zeigt:
          Bayern hat ein klar dreigliedriges System, in dem über die Jahre recht konstant etwa 30% eines Jahrgangs zum Gymnasium gehen. Das bringt in Pisa vernünftige Ergebnisse – allemal besser als zB Hamburg, wo mit Gymnasien und Stadtteilschulen etwa 60% eines Jahrgangs ein gymnasiales Angebot besuchen. Nähme man in Hamburg die bessere Hälfte der Schüler aus den gymnasialen Angeboten im Vergleich zur anteilsmäßig dann gleich großen Gruppe in Bayern wäre der bayerische Vorsprung mehr als aufgezehrt.
          Das lässt sich dann entsprechend in den anderen Schulformen finden, wo die Vergleiche dann ebenso verzerrt sind – die sehr unterschiedlichen Ergebnisse der Ländervergleiche in Deutschland sind zu einem sehr substantiellen Teil das Ergebnis einer schulformbezogenen Verzerrung.

          Und darauf jetzt eine parteipolitische Analyse der wirkmächtikgeit von rechter/ linker Kultuspolitik aufzubauen, ist ein sehr wackeliges Kartenhaus…

          • Vielleicht wird das Kartenhaus stabiler, wenn man mal die verschiedenen Schulsysteme gegenüberstellt. Dein Beispiel herangezogen: Kann man daraus entnehmen, dass das Bayern-Abi bessere Absolventen hervorbringt als das Hamburg-Abi, das “jeder” (60%) hinterhergeschmissen kriegt? Es geht ja nicht nur um den Zugang zum Studium, sondern um die tatsächlichen Fähigkeiten und Kenntnisse, die der Schüler in sein weiteres Leben mitnimmt. Und dort wird es dem Schüler im Zweifel wenig helfen, wenn er gelernt hat, seinen Namen zu tanzen!

            Um den Bezug zur Politik herzustellen: Die bürgerlichen Parteien setzen im wesentlichen auf ein differenziertes – dreigliedriges – Schulsystem, die sozialdemokratisch-grünen Länder dagegen eher auf ein Einheitssystem. Wenn man mal unterstellt, dass es bessere und schlechtere Schüler gibt, dann wird doch eine Differenzierung tendentiell besser den individuellen Fähigkeiten entsprechen und damit auch letztlich zu besseren Abgängern führen.

            Der Nachteil der Differenzierung ist natürlich, dass Bildungschancen ein Stückweit “vererbt” werden; das Kind der Hauptschuleltern wird mit größerer Wahrscheinlichkeit selber die Hauptschule besuchen; die Durchlässigkeit – insbesondere von unten nach oben – wird schwieriger.

            Die Frage ist also, ob man die guten Schüler benachteiligen will (Einheitsschule) oder die sozial schwächeren Schüler (Differenzierung). Keine Alternative ist besonders schön, aber einen Königsweg sehe ich da kaum.

    • “Ich selber kann das relativ neutral von außen betrachten.”

      Immer für einen Lacher gut unser Kinki 😀

      Aber deine sexuelle Verklemmtheit ist schon bedenklich. Selbst religiöse Fanatiker sind da aufgeschlossener als du.

      • “Sexuelle Verklemmtheit”, weil ich naturwissenschaftlich an 2 Geschlechter glaube anstatt ideologisch an 60?

        Keine weiteren Fragen, Euer Ehren!

    • Und dennoch (obwohl deine Zahlen Blödsinn sind. Korrelation =!= Kausalität) wählen Mathematiker, Physiker und Chemiker mehr Grün als Arbeiter und Arbeitslose.

      Kinki, du bist nicht “politisch vorgefärbt”, du fährst hier eine bestimmte politische Agenda.

      • Die Zahlen sind Fakten, kein Blödsinn.

        Bei Grünen-Wählern habe ich manchmal den Eindruck, dass es (heutzutage) im wesentlichen zwei Gruppen gibt: Idealistische Jungwähler und “satte” Mitbürger, die so wenig Sorgen haben, dass sie sich künstlich welche suchen (Veggieday, Gleichstellung u.ä.).

        Ich mag mich täuschen, es ist nur ein Eindruck.

  6. Die Industrie hat einen froßen Anteil an diesem maroden Lernsystem.
    Der andere Anteil trägt die Regierung die das so durchdrückt wie gewünscht und zudem davon profitiert. Profitiert indem niemand mehr in der Lage sein wird Dinge zu hinterfragen oder selbstständig zu denken.

  7. Institutionelle Bildung wird immer an den Interessen des Einzelnen vorbeigehen. Das ist systemimmanent.
    Und die achso hochgelobten skandinavischen Systeme stürzen gerade in allen Vergleichstests ab (z.B Schweden mit ihren Flüchtlingen) oder arbeiten mit einer Strenge und Autorität, die es hier seit den 80igern nicht mehr gibt.

  8. für alles das was unter dem Gymnasium liegt trifft das sicherlich zu. teilweise auch fürs Gym bis zum Abitur. richtige Intelligenz wird in solch einem Schulsystem generell nun mal nicht gefördert. es wird eher zum Auswendiglernen erzogen. meiner Meinung nach kann der Lehrer – je nachdem wie motiviert er ist – seine Schüler durchaus prägen und auf die Entwicklung Einfluss nehmen (dieser Freiraum wurde den Lehrern an den Schulen, die ich besucht habe jedenfalls gewährt)

    ab Klassenstufe 9/10 muss aber auch Eigeninteresse vorhanden sein, sich selbst bilden zu wollen. und das lassen die meisten nun mal vermissen, was sicherlich oft mit sozialem Milieu/Umfeld und an unserer platten, oberflächlichen Gesellschaft zu tun hat

    • Muss es das?
      Ich hab durch mein ganzes Abi nur das nötigste getan (Notenschnitt 2.3).
      Die Schule hat mich extremst schlecht aufs Studium vorbereitet.
      Dinge wie Integralrechnung, Vektorechnung etc. wurden nie gemacht. Keinerlei Physik wurde angeboten. Informatik war stark veraltetes html mit einem Lehrer, welcher vor 25 Jahren studiert hat und nie in der Praxis war.. na dankeschön.
      Stattdessen Schwachsinn wie Rentenrechnung und Zinseszins.. wohlgemerkt auf einer Schule für Wirtschaftsinformatik.

      Das liegt hier im Saarland an der sehr starken industriellen Prägung. Bosch z.B. hat hier in allen höheren Schulen ihre Finger im Spiel und die Politik legt ihren Lehrplan drauf aus.. und wundern sich, dass alle Absolventen im naturwissenschaftlichen Bereich im Rekordtempo das Saarland verlassen.
      Würde ich nicht im home office arbeiten (Informatiker) hätte ich schon längst meine Familie/Bekannten stehen lassen und nach Berlin o.Ä. ziehen müssen, um nicht in einem Industrieunternehmen zu versauern.

      • Keine Integral- und Vektorrechnung? Wow. Dann mein Kompliment, dass du das Info-Studium gepackt hast (bitte ned als Anfeindung verstehen).

        • Klar wenn man studieren will, ist Integral/Differential Rechnung wichtig; Genauso wie Grundkenntnisse der Linearen Algebra.
          Aber Schule sollte eben nicht auf das Studium vorbereiten sondern auf das Leben. Und im Alltag braucht keiner(!) Intgerale bestimmen oder von Funktionen mal eben on the fly eine Ableitung ausrechnen können. mMn braucht man den guten alten 3 Satz, Prozent Rechnung insb. für Zinsen und demnach auch den extrem starken Effekt des Zinseszins.

          Prof. Dr. Lesch hat komplett Recht damit, dass es wichtig ist mit einem gestärkten Weltbild aus der Schule entlassen zu werden. Das man eben Einordnen kann was man im Alltag an den Kopf geworfen bekommt durch Medien, Freunde oder Fremde im Supermarkt.

          • Ich hasse Mathe, trotzdem erwarte ich eigentlich das einem in der Oberstufe Vektor- und Integralrechnung beigebracht wird. Dafür bin ich in der Oberstufe.
            Das der Blödsinn in der Mittelstufe nicht vorkommt ist hingegen völlig akzeptabel, da hast du Recht.

          • Das stimmt so nicht.
            Abitur, inklusive Fachabitur, ist nunmal dafür da, um eine Fachhochschulreife zu belegen und zu garantieren.
            Dinge wie die Analysis (Integrale etc.) sind elementarer Bestandteil aller naturwissenschaftlichen Richtungen (dazu zählen auch Elektriker und Techniker).
            Wäre ich nicht autodidaktisch veranlagt, hätte ich keine Chance im Studium gehabt.
            Unsere Abbrecherquote lag so nebenbei bei 65% nach 4 Semestern.

  9. Die Industrie fordert halt und die Regierung macht die Beine breit.

    G8/9 ist nur ein Beispiel. Früher gab es nur Diplomstudiengänge. Mit diesem Diplom gab es dann entsprechende Bezahlung. Der Industrie waren diese Leute aber zu teuer also führte man Bachlor/Master ein.
    Ein Bachlor verdient deutlich weniger als jemand mit Diplom und die Studiendauer ist zudem noch verkürzt was wiederrum den Druck auf den Studierenden erhöht.
    Macht man den Master (was nochmal eine zusätzliche Belastung/Anstrengung bedeutet) kommt man auf ein ähnliches Gehalt wie mit einem Diplom. Vielen ist das zuviel und die Einstellungsbüros großer Konzerne freuen sich über billige Fachleute und enorme Auswahl durch das beschleunigte Studium.

    Der Mensch steht an zweiter Stelle an erster steht das Wirtschaftswachstum…

    • Ich kann nicht für alle Studiengänge sprechen, aber bei Mathematikern ist das Diplom von früher sowohl vom Inhalt als auch von der späteren Bezahlung mit dem Master gleichzusetzen.

      Als Bachelor einen Job suchen? Vergiss es. a) hast du Recht, ist die Bezahlung Mist. Aber b) ist auch das Jobangebot hart begrenzt. Fast alle haben einen Master als Voraussetzung, sodass sich durch Bachelor/Master fast nichts geändert hat.

      • Bei praktischeren Studiengängen ist es genau umgekehrt.
        Als Informatiker findest du eher wenige Jobs als Master. Viele lehnen dich ab, weil du zu viel Geld kostest (Tarifverträge sei Dank). Der öffentliche Dienst sucht explizit nur nach Bachelor, da Master im Ingenieurwesen teilweise wie ein Direktor bezahlt werden müssen (E14-15).
        Tatsächlich habe ich in meinem Leben noch nie auch nur eine Stellenausschreibung im Informatikbereich gesehen, welche master voraussetzt.

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