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Nach langen Diskussionen und Streitereien hat die Bundesregierung heute wohl endlich festgelegt, wie man in Zukunft die deutsche Bevölkerung mit Strom versorgen möchte. Einer heute erfolgten Ankündigung zufolge will die Ampel in den kommenden Jahren neue Gaskraftwerkskapazitäten im Umfang von bis zu viermal 2,5 Gigawatt aufbauen. Die Planung und die Genehmigungen für diese Anlagen sollen in einem beschleunigten Verfahren mit der EU-Kommission abgestimmt werden. Ab einem erst ab 2032 festzulegenden Termin werden diese Gaskraftwerke dann irgendwann zwischen 2035 und 2040 komplett auf Wasserstoff umgestellt.

Diese neuen wasserstofffähigen Gaskraftwerke sind wohl notwendig, um die schwankende Einspeisung von Strom durch Wind und Sonnenenergie auszugleichen. Dafür möchte die Bundesregierung bis Mitte 2024 einen Kapazitätsmechanismus ausarbeiten. Solch ein Mechanismus würde Betreiber von Kraftwerken dafür bezahlen, dass sie Kraftwerkskapazitäten vorhalten und wenn notwendig sinkenden Strom aus anderen Quellen ersetzen.

Ansonsten sind diese wasserstofffähigen Gaskraftwerke wohl ein wichtiger Schritt, um das Ziel der Bundesregierung für Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu erreichen. Bis 20230 sollen 80% des deutschen Stroms aus solchen Energiequellen stammen. Derzeit ist man mit ca. 50% noch etwas weit von diesem Ziel entfernt. Man darf gespannt sein, ob diese Pläne tatsächlich so umgesetzt werden und was für bürokratische Schrecken das Ganze verzögern/lahmlegen könnten.

Erst einmal ist es gut, dass in der Sache zumindest etwas passiert. Gleichzeitig bin ich persönlich weiterhin nicht wirklich zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg. Meiner Meinung nach wären moderne Atomkraftwerke noch immer der beste Weg dafür, um umweltschonende Stromerzeugung in Deutschland sicherzustellen und langsam auf eine vollständige Absicherung durch erneuerbare Energiequellen hinzuarbeiten. Allerdings ist diese Option bedauerlicherweise nicht mehr möglich.


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11 KOMMENTARE

  1. Beschließen kann man viel, die technische Umsetzung ist halt völlig utopisch bzw. absolut unbezahlbar.

    Ich klammere an der Stelle mal die physikalische Betrachtung aus, wonach Wasserstoff ein sehr heikler Energieträger ist. Geringe Energiedichte, geringe Molekülgröße (dringt durch jetzt Ritze), sehr reaktionsfreudig … lassen wir alles beiseite.

    Wo kommt der Wasserstoff her? Kommt mir nicht mit Elektrolyse in der Sahara, sonst reden wir mal über die Infrastruktur, die dafür nötig wäre.

    Nehmen wir also mal an, wir bauen die Elektrolyseure in Deutschland und nutzen sie, um überschüssigen Flatterstrom im Sommer in H2 umzuwandeln, den wir dann speichern und im Winter verbrennen. Zunächstmal verlieren wir alleine durch die Umwandlung drei Viertel der eingesetzten Energie. Heißt wir müssen im Sommer 4 KWh Überschuss nutzen, um 1 KWh im Winter Rückverstromung zu erhalten. Und das ist keine Frage der Technologie, sondern der Physik. Mehr Wirkungsgrad erzielst du nur durch Verstoß gegen Naturgesetze. Zwischen Sommer und Winter liegt aber die Speicherung. Das braucht wiederum einen Haufen Energie für die Verdichtung. Inwieweit alte Gasspeicher geeignet sind, wäre zu bezweifeln, weil eben nunmal H2-Moleküle auch dort rausdampfen, wo CH4 gefangen bleibt. Da kommen also weitere Verluste hinzu.

    Und was darfs kosten? Die ganze Infrastruktur produziert ja nichts, sondern ist alleine ein Speicherkreislauf. Das dürfen wir also alles noch zusätzlich bezahlen, Aufbau, Betrieb und Instandhaltung. Da kommt bei weitem kein wettbewerbsfähiger Strompreis hinten raus.

  2. Finde Atomkraft klingt immer ganz toll, aber bis jetzt hat noch keine das Problem mit dem Müll gelöst und solange das so ist, bin ich kein Fan der Atomkraft.
    Dann lieber mehr CO₂. Wir kennen jetzt schon, wenn auch teure, Techniken das Zeug wieder aus der Luft zu bekommen, es ist also zu erwarten, dass sich diese Technik noch verbessert. Beim Atommüll gibt es halt noch keine Lösung und damit ist auch nicht sicher, ob überhaupt eine gefunden wird, auch wenn man davon ausgehen kann. Sicher ist es halt nicht.

  3. Moderne Atomkraftwerke baust du halt nicht einfach kurz. Der Zug ist mit Fukushima unter SPD/CDU abgefahren. Problem daran ist auch, mit modernen Atomkraftwerken wäre die Energiewende um mehrere Jahrzehnte nach hinten verschoben worden. Erst mit Zwang tut sich etwas und den gab es damals in der Form Atomausstieg. Allerdings bin ich da bei dir, es war völlig überhastet und billiger Wählerfang, wie so immer.

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